Erst die Konkurrenz alle Fehler begehen lassen, dann kontern: Der Amarok fährt nach typischen VW-Rezept in die Liga der Pickups.
Verchromter Überrollbügel hin oder her: Allen Beteuerungen der Hersteller zum Trotz werden Pickups bei uns wohl nie zu lifestyligen Trendmobilen für Private. Denn wer mag schon im Winter Schnee von der Ladefläche schippen?
Doch sie bleiben unersetzlich, wenn es gilt, auf der Baustelle oder im Forst zuzupacken. Und versuchen nun zunehmend, dabei mehr PW-Aroma im Nutzfahrzeugkleid zu bieten – wie der neue VW Amarok.
Design ganz à la Wolfsburg
Markentypisch sieht man dem Doppelkabiner (Einzelkabine folgt) seine Herkunft aus Wolfsburg statt Detroit an: Die Front ist harmonisch, aber fern jeder Muskelspiele; der Rest supersachlich. Der Amarok bleibt eben ein Nutzfahrzeug, was man auch innen merkt. Allen Luxusfeatures, wie etwa dem Multimediasystem, zum Trotz.
Prima sind die tadelfreie Verarbeitung, bequeme Sessel und viel Platz im Fond. Quer auf die Ladefläche passt eine Europalette, und zur Not kann man bei 1,56 x 1,62 Meter darauf auch eine Geburtstagsparty feiern.
Das neue Pickup-Gefühl
Wirklich neue Massstäbe setzt das nicht – wohl aber der Fahreindruck: So viel PW-Gefühl bot noch keiner der etablierten Euro- und Japan-Pickups. Natürlich rumpeln die Blattfedern noch immer über Querfugen, als seien sie tiefe Canyons. Natürlich gerät Parkieren im 5,25-Meter-Amarok zur Mutprobe.
Doch im Vergleich ist er klar kultivierter unterwegs, lenkt sich direkter als von Leiterrahmenmobilen gewohnt und meistert Kurven nicht unbedingt dynamischer, aber zickenfreier – und sicherer.
Die robuste Konkurrenz:
» Jeep Grand Cherokee - Solider Klassiker
» Nissan NP300 - Rückkehr des klassischen Pick-Up
» Fiat Freemont - Der Ameriko-Italiener
Viel Power, wenig Durst
Im Testauto steckt der 2.0 BiTDI mit 163 PS (alternativ 2.0 TDI, 122 PS), kombiniert mit permanentem Allrad (wahlweise 4x2 oder zuschaltbarer 4x4). Beim Start nagelt der R4-Biturbodiesel, als wolle er den Putz von der Garagendecke bröseln, doch warm brummt er nur und entwickelt wuchtig Zug (400 Nm ab 1500/min).
Die Daten: 11,1 s auf Tempo 100 und 181 km/h Spitze. Schade, dass das Sechsganggetriebe knorrig ist. Doch bleibt der Durst mit 7,8 bzw. 8,9 l/100 km (Werk/Test) zurückhaltend angesichts zwei Tonnen Gewicht und 862 (je nach Typ bis zu 1147) Kilo Nutzlast. Damit hat der in Südamerika gebaute VW Amarok also durchaus das Zeug dazu, zu Tarifen ab 35'813 Franken bald einen der Podestplätze in seiner Liga zu erobern.
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