Die Namen Ferrari oder Lamborghini klingen deutlich spektakulärer als Nissan. Dafür fährt sich deren GT-R genauso gut wie die Italosportler – und kostet nicht einmal die Hälfte.
29.09.2011 Raoul Schwinnen/Bärtschi Media
itzt man im ausgezeichneten Fahrersitz des Nissan GT-R, fühlt man sich inmitten all der Knöpfe und Regler fast wie eine Relaisstation zwischen Realität und Playstation. Der hoch komplexe Nippon-Strassenrenner bietet dem Fahrer unzählige Einstellmöglichkeiten.
Bis auch Dinge wie die Anzeige der Querbeschleunigung oder Getriebeöltemperatur stimmen, verbringt man locker Stunden damit, alles den eigenen Vorlieben anzupassen. Aber Nicht-Playstation-Gamer seien beruhigt: Auch in der Standardeinstellung ist ein Ritt im GT-R wie jener auf der viel zitierten Kanonenkugel.
Bulliger Charme
Als wirklich elegant kann man den japanischen Supersportler nicht bezeichnen; das machen italienische Stylisten definitiv besser. Der 4,67 Meter lange und 1,37 Meter hohe GT-R ist keine stromlinienförmige, direkt über dem Asphalt kauernde Flunder, sondern vielmehr ein stämmiger Bodybuilder. Der aktuelle Jahrgang erhielt dazu optisch wie technisch Feinschliff – und mal eben 44 PS mehr.
Power der Champions League
Wie ein Bodybuilder entfaltet er auch seine Kraft. Bis 3000 U/min wirkt der 3,8-Liter-V6 wuchtig, aber noch unspektakulär. Doch wehe, man dreht die 530 PS weiter aus. Die dann explodierende Urgewalt lässt sich kaum in Worte fassen. Der Doppelturbo bläst die Backen auf, dass der Atem stockt.
Der immerhin 1,8 Tonnen schwere Allradler schiesst los, als hätte ihn Godzilla selbst in den Hintern getreten. Knapp 3,1 Sekunden bis Tempo 100 oder 315 km/h Spitze lassen kaum Fragen offen.
Zickig? Keineswegs!
Bei hohen Drehzahlen, wo italienische Sportwagen längst in höchsten Tönen röhren, faucht die japanische Wuchtbrumme diabolisch: „Ssscht!“ Auch sonst zeigt sich der erstaunlich geräumige Vierplätzer zickenfrei und zurückhaltend.
Einzig ganz enge Kehren mag er nicht. Und lässt man die maximalen 612 NM Drehmoment öfters von der Leine, sind seine Trinksitten nicht mehr ganz manierlich. Laut Norm sollen es 12 Liter auf 100 Kilometer sein, im Test waren’s dann 14,9 l/100 km.
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