Von wegen „kleiner Porsche“. Der Cayman verkörpert heute, was einst den 911 gross machte: Er ist eine Fahrmaschine erster Güte. Vor allem als leichtere R-Version.
Nein, man muss Cayman-Piloten nicht bedauern. Mag sein, dass Passanten manchmal „911 für Arme“ denken.
Autofans aber wissen: Hier fährt der wahre Erbe des heute bei aller Dynamik zum Prestigeobjekt degenerierten Porsche 911.
Der Cayman ist eine Kampfansage an Langeweile und begradigte Strassen und atmet Sportsgeist pur. Vor allem im Cayman R, der frisierten Modellvariante.
Wie massgeschneidert
Die grelle Farbe des Testwagens garantiert Aufmerksamkeit im Rückspiegel anderer: Was hier anrauscht, sieht giftig aus – und fährt sich wie ein Suchtmittel. Wer den Cayman R wegen 282 km/h Spitze für einen
Autobahntiger hält, wird bald eines Besseren belehrt: Trotz hohem Funfaktor ist man das knüppelige Fahrwerk und die dröhnende Akustik schnell leid.
Sein Revier ist die Landstrasse. Dort ist der Komfort ordentlich, solide Bandscheiben sind trotzdem Pflicht. Dafür geniesst man in jeder Kurve Vergnügen pur. Chirurgisch präzise den Scheitelpunkt anpeilen, um die Ecke, perfekt! Eine saubere Fahrweise vorausgesetzt, liegt der Grenzbereich extrem hoch.
Boxer mit Charakter
Der Giftpfeil der Landstrasse trägt einen 3,4 Liter grossen 6-Zylinder-Boxer, der das Herz grosser Jungs zum Pochen bringt. Mit 330 PS, 370 NM Drehmoment bei 4750 U/min, fünf Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 – und vor allem mit Charakter: Erst dumpfes Röhren nach dem Start, dann hohlwangiges Singen zum erwachenden Biest, am Ende ungefiltertes Sägen, wenn der Cayman R so unnachahmlich aggressiv am Gas hängt wie ein Kampfhund an der Leine.
Weniger ist viel mehr
Angesichts der Diät auf unter 1,4 Tonnen vergeben wir ihm Kleinkram – wie die albernen Schlaufen statt Griffen innen an den Türen. Was, bitte, soll hier noch besser werden – zumal das präzise, fordernde 6-Gang-Getriebe (optional PDK) ein Sahnehäubchen ist und der Durst - 11.2 Liter auf 100 km Testwert, 9,7 Liter auf 100km Normverbrauch - noch in Ordnung geht?
Nun, die Vergnügungssteuer dürfte geringer sein. Mindestens 104'700 Franken sind eben deftig, die Optionen sind es auch. 570 Franken für einen Heckscheibenwischer? Porsche darf das. Es war schon immer etwas teurer, ganz verteufelt viel Spass zu haben.
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