Ein Elektroauto mit über 500 Kilometern Reichweite? Der Opel Ampera macht es möglich: Er hat seinen eigenen Stromerzeuger immer mit dabei.
07.11.2011 Timothy Pfannkuchen
Der Begriff „Range-Extender“ dürfte uns bald geläufig werden. Er steht wie eine Zauberformel für eine Zukunft, in der Elektroautos nicht mehr nach spätestens 150 Kilometern stromlos liegen bleiben.
Der Trick: Ist der Akku leer, fährt ein E-Mobil mit „Reichweitenverlängerer“ trotzdem elektrisch weiter, weil an Bord ein Benzinmotor den nötigen Strom erzeugt. Parallel zum Fisker Karma rollt dieser Tage das Zwillingspaar Chevrolet Volt und Opel Ampera mit diesem Konzept auf den Markt.
Captain Future?
Von aussen wirkt der 4,50 Meter lange Opel bullig, nur etwa die Opel-typische Logo-Linie am Heck erinnern an das Markendesign. Beim Einsteigen ist die Verblüffung garantiert: Das Cockpit wirkt futuristisch, entpuppt sich aber als bedienfreundlicher als erwartet.
Hinten ist der Platz im Viersitzer nicht gerade üppig, reicht im Alltag aber genauso aus wie der erweiterbare 310-Liter-Laderaum unter der Heckklappe.
Leiser Ampelstartkönig
Also los! Wie erwartet, fasziniert der E-Motor mit verzögerungsfreiem Sprint. Ab der ersten Umdrehung stemmt der 111 kW (150 PS) starke Stromer 370 NM Drehmoment auf die Vorderpneus. Wo ein Verbrennungsmotor noch Luft holt, ist dieser Stromer längst weg. Kräftig zieht er los und dann fast linear weiter, wobei er nur leise wie ein Miniatur-Tram summt.
Bei Bedarf eilt der 1,7-Tönner so in neun Sekunden auf 100 km/h und bis auf 161 Sachen Spitze. Aber weil ein schwerer Gasfuss den Akku flott leert, hält der Ampera wenig von Dynamik. Lieber gleitet er höchst komfortabel dahin. Doch Zwischenspurts sind flott erledigt, zumal ihm, wie allen E-
Autos, ein Gang reicht.
Akku leer? Keine Angst!
Nach 50 bis 70 Kilometern (Testwerte) elektrischer Fahrt geht dem 16-kWh-Akku der Saft aus. Wirft der Opel darauf den 1,4-Liter-Benziner mit 86 PS an, um Strom zu erzeugen, brummt der nur zufrieden im Hintergrund. So reicht der Saft für weitere 500 Kilometer, ehe man an die Tanke muss.
Irritierend ist nur: Hoher Strombedarf (Vollgas) führt zu hoher, vom Tempo aber unabhängiger Drehzahl des Benziners. Wer sich die Akkuladung aufsparen will, um erst in der City abgasfrei zu stromern, kann per Knopfdruck jederzeit mit Range-Extender fahren.
Nachts laden, tags stromern
Nachts lädt man an der Steckdose den Lithium-Ionen-Akku wieder auf, was im Test mit 10 Ampere bei 230 Volt fünf Stunden dauerte. Zwar ist das abendliche Hantieren mit Kabeln und Anstöpseln des
Autos gewöhnungsbedürftig, bringt aber tiefe Betriebskosten.
Opel gibt als Normwert 1,6 l/100 km (= 37 g/km CO2) an, was sich auf die ersten 100 km im Mischbetrieb bezieht. Klarer ist das Bild mit Einzelwerten. Batterieelektrische Fahrt kostet im Test 21 kWh auf 100 km, was im Nachttarif selbst mit Ökostrom weniger als drei Franken kostet.
Läuft der Stromerzeuger im Dauerbetrieb, kommt man im Test auf 5,3 l/100 km. Vor dieses Sparen hat Opel aber 50‘900 Franken Kaufpreis gesetzt. Doch ein solcher Hightech-Zuschlag hat schliesslich schon beim Toyota Prius niemanden abgehalten.
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