Leichter, schärfer, lauter: Der Maserati Granturismo MC Stradale ist ein Strassenrenner erster Güte. Mit bollerndem V8 knackt der Italiener gar die 300 km/h-Marke.
24.11.2011 Timothy Pfannkuchen
Der MC Stradale ist nun die schärfste Version des Maserati GranTurismo. Als Bindeglied zwischen den Strassenmodellen und dem GranTurismo MC für den Renneinsatz ist der Stradale allerdings eine Geschmacksfrage: Sind Spoiler und Sportattribute des Guten Zuviel für den eleganten Tourer – oder die Zuspitzung, auf die wir gewartet hatten?
Schönheit entstellt nichts
Spoiler hin oder her, der Stradale ist eine rollende Skulptur, wie sie nur Italiener zeichnen können. Dank klassischem GT-Stil verzeihen wir dem 4,93-Meter-Coupé die Tatsache, dass dem Styling ein brauchbarer Platz für das vordere Kontrollschild geopfert wurde. Innen bleibt der Stradale unverändert luxuriös: Klimaanlage, Navi und edelste Oberflächen – hier reist man erster Klasse.
Kein Renner also? Von wegen: Perfekte Sitzschalen mit Hosenträgergurten fixieren uns bombenfest vor dem Überrollbügel. Zum Rennsport-Interieur passt der Motor: Der 4,7-Liter-V8 leistet 450 PS und 510 NM Drehmoment bei 4750 U/min. Via automatisiertem 6-Gang-Getriebe wird die Kraft auf die Hinterräder geleitet. Das reicht, um 1‘770 Kilo in 4,6 s auf 100 km/h und bis auf 301 km/h zu jagen. Klingt gut. Und tönt irrwitzig gut!
V8-Wohlklang
chon beim Start kreischt der Achtzylinder, als sei man ihm auf die Kurbelwelle getreten – und singt bereits im Leerlauf eine Arie, als spuke der Geist Pavarottis im Auspuff. Der Antritt ist ab 2500 U/min bärenstark und der Bolidensound im Sportprogramm ab 4000 Touren völlig ungehemmt. Das wahre Wunder ist der unfassbare Biss, mit dem das drehgierige Aggregat jedes Zucken mit dem Fuss in gnadenlosen Vortrieb umsetzt.
Nicht hundertprozentig glücklich sind wir mit dem Getriebe. Die Schaltzeiten sind kurz, etwas geschmeidiger dürften die sechs Gänge aber trotzdem wechseln. Dafür verblüfft die Leichtigkeit, mit der dieses Coupé zackig einlenkt und so vergnügungssteuerpflichtig wie angstschweissfrei um Kurven jagt. Nur ganz enge Ecken passen dem grossen Renner nicht so.
Traumwagen zum Traumpreis
Angesichts der perfekten Symphonie verzeiht man, dass die dominante Akustik und das knüppelharte Fahrwerk von den Passagieren einiges abverlangen. Verschmerzbar ist auch der Verlust der Fondsitze, welche ohnehin Alibifunktion hatten.
Der Durst geht mit 14,4 l/100 km (Werk) bzw. 13,9 l/100 km (Test) für diese Liga noch in Ordnung. Schade nur, dass ein traumhaftes Budget gefragt ist: 239'889 Franken wollen die Italiener für ihre Strassenrakete. Das ist gegenüber dem GranTurismo S ein happiger Aufpreis von rund knapp 40‘000 Franken.
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