Jaguar hat ein neues Alphatier namens XKR-S. Die Raubkatze unterstreicht ihre Überlegenheit mit 550 PS und lautem Gebrüll. Wer sich am Steuer allerdings beherrscht, erhält einen Jaguar-typischen GT-Gleiter.
„Modellzyklusmanagement.“ Dieser langweilige Begriff ist dafür verantwortlich, dass Jaguar die XKR-Sportversion des XK nochmals frisiert hat. Um das Interesse am sechsjährigen Modell bis zu dessen Nachfolger wach zu halten, ist der XKR-S das neue Alphatier im Jaguar-Stall.
Stilbruch?
Über seine Optik darf man streiten. Passen Atemschlitze in der Haube, das Heckflügelchen oder die fetten Auspufftröten zu einem Jaguar? Wir finden, dass der Spagat aus Gentleman und Sportler auf der eleganten Seite bleibt und dem 4,79 Meter langen Coupé prima steht.
Zumal innen statt billiges Sportstudio der Jaguar-typisch noble Look vorherrscht: Die Ledersitze sind hübsch und bequem, das Cockpit gibt sich unverändert hochwertig. Nichts geändert hat sich auch an den Sitzen im Fond (nur für Kinder), am Kofferraum (reisetauglich) und am Navi (altertümliche Karte).
Zähmbares Raubtier
Der Kompressor-V8 holt aus fünf Liter Hubraum 550 PS und 680 NM Drehmoment – über ein Drehzahlband von 2500 U/min bis 5500 U/min! Das jagt den XKR-S in 4,4 Sekunden auf 100 km/h und treibt ihn bis in den Begrenzer bei 300 km/h. Das Erstaunliche dabei? Bleibt der rechte Fuss im Zaum, kann der V8 mit 6-Stufen-
Automat auch ganz anders: Ruhiges Gleiten beherrscht er ohne zu lautes Donnergrollen.
Auch wer Gas gibt, erlebt erst einen kurzen Moment der Ruhe. Dann packt allerdings der enorm elastische Achtzylinder-Motor mit diabolischem Grollen spontan und bösartig zu. Das urgewaltige Drehmoment versucht die Pneus des 1,8-Tönners in schwarze Striche zu verwandeln. Deshalb ein Wort der Warnung: Wer die Traktionskontrolle deaktiviert, sollte sich seiner Sache sicher sein.
Gran Turismo-Gene
Bei aller notwendigen Härte sind die GT-Gene nicht abhanden gekommen. Klar, innerorts holpert der XKR-S steifbeinig. Aber mit zunehmendem Tempo wird die Katze spürbar geschmeidiger: keine Sänfte, aber auch keine ständigen Tritte in die Bandscheiben.
Eine Situation, welche den XKR-S überfordert, erreicht man auf normalen Strassen kaum. Wer allerdings auf der Rennstrecke das Limit ohne elektronischen Schutzengel sucht, wird auch gefordert. Zumal die an sich feine Lenkung am Kurvenscheitel gerne noch etwas präziser sein dürfte.
Schön und schön teuer
Natürlich ist ein solches Alphatierchen kein Budgetschoner. Aber für diese Liga gehen die 178’000 Franken in Ordnung. Wer die Leistung nutzt, muss den Normverbrauch von 12,3 l/100 km eher als unverbindliche Empfehlung ansehen.
Im Mix lag unser Testwert bei 13,5 l/100 km, was durchaus in Ordnung geht. Freuen dürfen sich übrigens die Sonnenanbeter: Auch das XKR-S Cabrio ist bereits unterwegs.
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