Elektroautos waren in den vergangenen Jahren etwas für Idealisten und Individualisten. Mit dem Nissan Leaf wird die emissionsfreie Fahrt unter anderem familientauglich.
Der Nissan Leaf ist das erste ausschliesslich für den Elektrobetrieb konstruierte Grossserienmodell und seit vier Wochen in der Schweiz offiziell zu kaufen. Neben den antriebsbedingten Besonderheiten (Laden an der Steckdose statt Tanken an der Tankstelle) muss man sich auch an die Geräuschlosigkeit des kompakten Elektrofahrzeugs gewöhnen.
Erstaunlich normal
Eine herkömmliche Schaltung sucht man im Cockpit des Leaf vergebens. Man lernt aber schnell, den Schaltknauf mit den beiden verbliebenen Funktionen (vorwärts und rückwärts) zu bedienen. Sobald der 109-PS-E-Motor läuft, stehen 280 NM Drehmoment zur Verfügung und sorgen nicht nur für einen höchst sportlichen Antritt, sondern auch für einen Sprintwert von 11,9 Sekunden. Bis zur Spitze von 145 km/h bleibt die Fahrt flüsterleise.
Einzig die Abrollgeräusche der Reifen sowie ein permanentes „Fiepen“ im Innenraum stören die Ruhe an Bord. An das präzise Lenkverhalten, die sensiblen Bremsen, die komfortable Sitzposition und das ausgewogene Fahrwerk gewöhnt man sich hingegen schnell und gern.
Launische Anzeige
Als wenig verlässlich erweist sich die Reichweitenanzeige. Das Werk verspricht zwar mittlerweile 175 Kilometer. Voll“getankt“, versteht sich. Was je nach Ladestation aber bis zu sieben Stunden dauern kann. Anfangs war noch von 140 Kilometern die Rede gewesen. In der Praxis sind aber knapp 130 Kilometer weit eher realistisch – und auch dann sollte der Leaf-Fahrer ein sehr hohes Mass an Disziplin und einen eher zurückhaltenden Gasfuss besitzen.
Um dem Fahrer das angemessene Fahrverhalten beizubringen, hat Nissan digitale Bäume ins futuristische Display verpflanzt, die je nach Fahrstil wachsen oder absterben. Doch auch dieser Anreiz kann die je nach Temperatur und Topografie oft massiven Schwankungen der gleichsam nervösen – und je nach Situation nervös machenden – Reichweitenanzeige nicht ausgleichen.
Optisch anders
Äusserlich ist der Leaf ebenso unverwechselbar wie polarisierend. Dass die Funktionalität beim Design im Vordergrund stand, wird jedenfalls auf den ersten Blick klar. Etwa angesichts der herausstechenden Glubschaugen, die ihre extravagante Form den Messungen im Windkanal verdanken: sie erwiesen sich als besonders aerodynamisch.
Im Innenraum dominieren Digitalanzeigen und helle, weiche Sitzbezüge. Vier Passagiere finden Platz und in den Kofferraum passen je nach Bedarf beachtliche 330 bis 680 Liter.
Nicht ganz billig
Mit 49‘950 Franken fordert der Leaf umweltbewussten Kurzstreckenfahrern einiges ab. Dazu kommen knapp 1‘500 Franken für die von Projekt-Partner „The Mobility House“ installierte 16-Ampere-Ladestation. Nach all diesen Investitionen steht dafür ein fast normaler Kompaktwagen in der Garage, der mindestens für eines sorgt: ein nachhaltig ruhiges Gewissen.
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