Über 300 PS und Heckantrieb für unter 41'000 Franken? Klar gefällt das – wenn man im Hyundai Genesis Coupé V6 nicht jedes Detail auf die Goldwaage legt.
26.01.2012 Timothy Pfannkuchen
Die Amis kennen ihn schon seit zwei Jahren: Aggressiv, selbstbewusst und auf 4,63 Meter Länge gestreckt lauert das neue Hyundai Genesis Coupé über dem Asphalt.
Kein „Hausfrauen-Ferrari“, sondern komplett auf Macho getrimmt. Unbestritten, dass der grosse Bruder des Veloster schneidig aussieht und so bei Laien für Staunen sorgt: Coolness von Hyundai? Aber klar!
Cockpit à la americaine
Leider ist nicht alles cool. Dass die Nischen im Fond nur Kids passen und uns dafür vorne bequeme Ledersessel (und unter der Heckklappe viel Laderaum) verwöhnen, ist coupétypisch. Wer aber aus i40 oder Veloster in den Genesis umsteigt, fühlt sich in die Vergangenheit versetzt.
Der Genesis ist für die USA konzipiert – also sind Flair und Haptik nicht europäisch raffiniert, sondern uramerikanisch trist. Die billige Plastikwüste enttäuscht uns gerade deshalb, weil uns das Aussenstyling überzeugt. Daran ändert auch die üppige Vollausstattung nichts.
Viel Kraft zum Spartarif
Selbst Hyundai muss halt irgendwo sparen bei diesen Preisen, zumal fünf Jahre Garantie inklusive sind. Als 2.0T (213 PS) kostet das Coupé nur 35'890 Franken; der getestete 3,8-Liter-V6 mit 303 PS und 361 NM Drehmoment ist ab 40'890 Fr. zu haben. Nur der 6-Stufen-
Automat im Testauto kostet 2500 Franken Aufpreis.
Durchzugsstärke ist nicht die Paradedisziplin des V6, aber er hängt schön am Gas und orgelt sich flott nach oben – dorthin, wo die Post abgeht, also. Fein, dass er richtig kernig tönt. Den Spurt von 0 auf 100 km/h erledigt er in 6,3 s, die Spitze liegt bei 240 km/h. Der Durst? Der ist mit 9,9/10,3 Liter/100 km (Werk/Test) gerade noch okay.
Für Cruiser wie Drifter
or allem tiefe Tempi pariert das Genesis Coupé mit hölzerner Federung, wobei genug straffer Komfort bleibt, um die Fahrt zu geniessen. Oder natürlich Kurven: Wir haben anderswo schon exakter dirigiert als mit dieser Lenkung, aber der tiefe Schwerpunkt, ausgewogene Gewichtsbalance und Heckantrieb bündeln sich zu einem Gute-Laune-Paket.
Ein Grinsen zaubert dieses Coupé der Driftfraktion ins Gesicht: Mit abgeschaltetem ESP lässt es sich gerne provozieren, ohne böse zu reagieren. Klar sollte man das nicht auf der Strasse tun. Spass macht es trotzdem.