NHL-Verteidiger Mark Streit von den New York Islanders gilt als das grosse Aushängeschild des Schweizer Eishockeys. Im grossen Interview mit SPOX spricht der erste Schweizer NHL-All-Star-Game-Teilnehmer über seine auskurierte Verletzung, erklärt seinen Bezug zum Tennis, erzählt wieso die Trainer-Spieler-Beziehung in der NHL vor allem für die Jungen schwierig ist und verrät, wie lange er noch spielen möchte.
SPOX: Mark Streit, zuerst die wichtigste Frage: wie geht es Ihrer Schulter?
Mark Streit: Gut, danke. Mittlerweile ist sie schon fast wieder die Alte und ich kann wieder voll trainieren. Die Ärzte sagten mir, dass sie mit dem Heilungsverlauf sehr zufrieden waren. Beinahe hätte es sogar noch für einige Spiele mit den Islanders gereicht…
SPOX: …dann hätten Sie wohl auch die Freigabe für die WM bekommen, oder?
Streit: Das wäre gut möglich gewesen. Aber ohne ein einziges
NHL-Spiel war es absehbar, dass sie mich nicht freigeben werden. Im Hinblick auf die neue Saison, wäre ein WM-Einsatz wegen der Verletzungsgefahr aus Ihrer Sicht eher ein Risiko, als ein Profit gewesen.
SPOX: Verspüren Sie an der Schulter noch Schmerzen?
Streit: Nein. Nur zu Beginn tat es natürlich einige Tage sehr weh. Das Problem mit der Schulter ist, das diese im Eishockey ständig Körperkontakt hat. Ich ging ja relativ früh wieder aufs Eis (ab Januar, Anm.d.Red.) und konnte mit dem Stock einige Sachen machen. Snap-Shots, Pässe oder Handgelenkschüsse waren für die Schulter kein Problem. Sogar den Slap-Shot konnte ich eigentlich ohne grosse Schmerzen durchziehen. Aber einen Check einstecken, das war – anders als bei einer Hand- oder Fussverletzung - einfach noch zu gefährlich. Immerhin konnte ich kurz vor meiner Rückkehr in die Schweiz noch einige Einheiten mit der Mannschaft und mit Körperkontakt absolvieren.
SPOX: Die Behandlung der verletzten Stelle ist jedoch noch nicht abgeschlossen.
Streit: Nein. Die präventiven Übungen für die Schultern muss ich weiterhin täglich machen.
SPOX: Aha, Sie sagten, für die Schultern. Also müssen Sie immer gleichzeitig beide Schultern gleich trainieren, um zu verhindern, dass Sie auf der einen Seite einen „Roboterarm“ bekommen?
Streit: Absolut korrekt. Ich bin ja schliesslich kein Tennis-Spieler…(lacht)
SPOX: Perfekte Überleitung! Wir haben uns hier im Tennisclub Lawn ganz in der Nähe ihrer Heimat getroffen. Welchen Bezug haben Sie zum Tennissport?
Streit: Einen durchaus engen. Dies vor allem wegen meinen Eltern. Sie haben in Ihrer Freizeit viel Tennis gespielt und ich wollte natürlich auch immer mitspielen. Wenn wir in den Ferien waren stand jeden Tag Tennis auf dem Programm. Heute spiele ich vor allem im Sommer – in der hockeyfreien Zeit – fast jeden Tag mit demselben Kollegen, mit dem ich übrigens auch nachher noch ein „Mätschli“ mache.
SPOX: Und wie sieht die Bilanz aus? Müssen Sie manchmal unten durch?
Streit: Hm…(überlegt) ich wage zu behaupten, dass die Bilanz zwischen uns ausgeglichen ist – aber ohne Gewähr! (schmunzelt)
SPOX: Im Eishockey sind Sie ein „Left-Spieler“. Demzufolge sind Sie im Tennis Rechtshänder und spielen die Rückhand beidhändig?
Streit: Ja, genau so ist es.
SPOX: War es als kleiner Junge nie ein Traum, einmal Tennis-Profi zu werden?
Streit: Nein. Hockey war für mich stets das Grösste. Ich wollte immer eines Tages Eishockey-Profi werden. Es ist witzig: der ehemalige Tennis-Profi Michel Kratochvil ging genau den umgekehrten Weg. Ich spielte mit ihm bei den SCB-Moskitos, sein Vater ist ja ein ehemaliger NLA-Spieler.
SPOX: Verfolgten Sie schon früher die grossen Turniere oder kam dies erst mit den Erfolgen von Roger Federer?
Streit: Nein, schon als kleiner „Knirps“ verfolgte ich die Grand-Slam-Turniere und die Leistungen von Stefan Edberg, Andre Agassi, Pete Sampras oder wie sie alle hiessen. Auch heute verfolge ich die grossen Turniere wenn möglich am TV. Besonders wenn es mit Roger Federer noch eine Schweizer Beteiligung hat.
SPOX: 2010 weilten Sie auch am US Open in Flushing Medows.
Streit: Das war ziemlich eindrücklich. Es ist schon etwas anderes, wenn man das Spiel live aus nächster Nähe sieht, als vor dem TV…
SPOX: …gut, Sie hatten ja wohl auch die besten Plätze!
Streit: (schmunzelt) Die Besten nicht gerade, aber man konnte das Spiel schon aus einer sehr guten Perspektive geniessen. Unser Medienchef von den New York Islanders arbeitete früher für das US Open. Da hat er uns natürlich ohne Probleme gute Tickets organisieren können.
SPOX: Gingen Sie mit Teamkollegen?
Streit: Mit Frans Nielsen haben wir einen Dänen in unserer Mannschaft. Er kennt die Familie von der Weltnummer 1 Caroline Wozniacki ziemlich gut und sitzt ab und zu sogar bei ihnen in der Box. Das war cool, danach habe ich auch noch Roger Federer treffen dürfen.
SPOX: Kommen wir zurück zum Eishockey. Haben Sie die Leistungen der Schweizer Nationalmannschaft an der WM in der Slowakei mit verfolgt?
Streit: Selbstverständlich. Ich habe vor dem TV bei jedem Spiel mit gefiebert. Schon alleine deswegen, weil es an den kommenden Weltmeisterschaften ja auch um die Olympiaqualifikation geht.
SPOX: Sotschi 2014 ist für Sie also noch ein Thema?
Streit: Aber natürlich! Ich bin dann „erst“ 36 Jahre alt. Für jeden Hockeyspieler ist doch ein olympisches Turnier das Grösste – da bin ich keine Ausnahme.
SPOX: Sie waren während der Schweizer WM-Spiele auch als Studiogast beim SF DRS eingeladen. Macht Ihnen das Spass?
Streit: Ja. Ich versuche den Schweizer Zuschauern Sachen aufzuzeigen, die ein „normaler“ Eishockeyzuschauer vom Fernsehen aus nicht sieht – obwohl man hier nicht immer sehr viel Zeit dafür bekommt.
SPOX: In Nordamerika ist das ganz anders. Da wird dem Zuschauer innert kürzester Zeit eine höchst kompetente und detaillierte Analyse des Zustandekommens eines Tores geliefert.
Streit: Das ist natürlich von dem her gesehen, eine völlig andere Welt. Die haben auch ganz andere Möglichkeiten. Meistens sind während den Spielen neben dem Moderator ein ehemaliger Trainer und ein früherer Spieler als Analytiker zu Gast. Was die zum Teil für Analysen bieten, ist schon grosses Kino. Ich durfte diese Saison übrigens einmal an einem Podiumsgespräch bei MSG – dem lokalen Sender vom New Yorker Madison Square Garden – teilnehmen. Das ganze Gespräch verlief auf Englisch – das war für mich ziemlich „heavey“.
SPOX: Haben Sie sich die Playoffs in der
NHL angesehen?
Streit: Sicher . Vor allem als ich zwei Wochen in Florida in den Ferien weilte, konnte ich praktisch die ganze Nacht durch
NHL schauen – das war witzig. Im Übrigen sind am Anfang der Playoffs die Spiele sowieso am besten, weil noch alle ausgeruht und topmotiviert sind.
SPOX: Durch Ihre Verletzung hatten Sie wohl auch mehr Zeit um die Schweizer-Liga zu verfolgen.
Streit: Das Geschehen in der Schweiz verfolge ich immer – auch wenn ich nicht verletzt bin. Es war toll, konnten sich die SCL Tigers erstmals für die Playoffs qualifizieren. Leider war das Playoff-Derby etwas einseitig. Wenn Langnau das zweite Spiel hätte gewinnen können, wäre es vielleicht spannender geworden. Aber man muss auch sehen, dass bei den Langnauern fast keiner Erfahrungen mit Playoffs aufwies – Bern ist dagegen ein richtiges „Playoff-Team“. Ich mag es aber dem Verein und dem ganzen Umfeld der SCL Tigers gönnen. Letztes Jahr habe ich ja noch ein Teil meiner Vorbereitung dort absolvieren dürfen.
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