Nach einer verkorksten Saison 2010/2011 wollen es die ZSC Lions in der neuen Spielzeit besser machen. Löwen-Verteidiger Patrick Geering verrät im Interview mit SPOX was für Ziele sich die Mannschaft gesteckt hat, welchen Eindruck er vom neuen Coach Bob Hartley hat und wie sich ein Eishockeyspieler in den Ferien erholt.
SPOX:
Patrick Geering, für die
ZSC Lions ging die letzte Spielzeit nach dem Out gegen die Kloten Flyers im Playoff-Viertelfinal bereits Anfang März zu Ende. Wie lange brauchten Sie, um das verfrühte Saisonende zu?
Patrick Geering: Ein verfrühtes Ausscheiden ist immer sehr schwierig zu verkraften. Vor allem wenn der Gegner ausgerechnet der Kantonsrivale war! Deshalb brauchte ich sicher eine ganze Weile, um das Ganze zu verdauen. Das Schöne am Sport ist jedoch, dass man sich schnell wieder nach vorne orientieren und es in der neuen Saison besser machen kann!
SPOX: Im Vergleich zu einem Fussballer, haben Eishockeyspieler eine ziemlich lange Sommerpause. Wie sah Ihr Programm nach Saisonschluss aus?
Geering: Etwa eine Woche nach dem Out habe ich bereits wieder etwas trainiert, bevor ich für etwa zehn Tage in die Ferien verreiste. Dort habe ich wirklich mal nur die Beine hochgelagert, den ganzen Rummel hinter mir gelassen und neue Energie getankt. Nachdem ich wieder in der Schweiz zurückkehrte, trainierte ich zu Beginn eine Weile alleine. Im Mai begann dann schon wieder das Mannschaftstraining.
SPOX: Die Mannschaften befinden sich nach einem harten Sommertraining bereits wieder im Eistraining. Bei jedem Spieler muss die Freude wohl riesig sein, wenn das leidige Krafttraining endlich vorbei ist und man sich wieder die Schlittschuhe schnüren darf?
Geering: Klar ist es so, dass jeder von uns lieber die Trainings auf dem Eis absolviert, als Gewichte zu stemmen. Deshalb ist es immer eine riesige Freude, wenn man wieder aufs Eis kann. Dazu kommen natürlich auch wieder die Spiele, welche man während dem Sommer vermisst!
SPOX: Wie ist es, nach rund vier Monaten erstmals wieder eine Runde auf dem Eis zu drehen? Hat es beim ersten Training schon jemanden auf die „Schnauze“ gehauen?
Geering: (lacht) Am Anfang ist es schon immer etwas speziell, so die ersten paar Züge. Insbesondere, wenn man sich auf die neue Saison neue Schlittschuhe oder andere neue Ausrüstungsgegenstände besorgt hat. Da braucht es schon drei bis vier Eiseinheiten, bis man sich an die neuen Utensilien gewöhnt hat. Auf die „Schnauze“ ist jedoch zum Glück keiner gefallen (lacht).
SPOX: Während dem Sommertraining üben die Teams jeweils gerne auch andere Sportarten aus. Was war dieses Jahr Ihr Highlight?
Geering: Es machte Spass, sich mit den Teamkollegen in anderen Sportarten wie Squash oder Tennis zu duellieren. Das Highlight kam aber erst am Ende des Sommertrainings, als wir ein Fussballspiel gegen die GCK Lions austrugen – doch leider haben wir verloren….(schüttelt den Kopf)
SPOX: Der ZSC hat mit
Bob Hartley einen ehemaligen NHL-Coach verpflichtet. Wie war Ihr erster Eindruck von ihm?
Geering:
Bob Hartley begrüsste die Mannschaft bereits Anfang Mai. Der erste Eindruck war sehr gut. Er kam extra bereits im Frühling zu uns, um seinen Standpunkt zu vermitteln, aber natürlich auch um uns kennen zu lernen. Das ist keinesfalls selbstverständlich und schätze ich sehr positiv ein. Danach flog er wieder zurück nach Nordamerika, bis er Ende Juli wieder in Zürich eintraf, um mit uns in die Vorsaison zu starten.
SPOX: Ist bereits ein drastischer Unterschied zu Ihren vorherigen Coaches auszumachen?
Geering: Das Interessante ist, dass er keine Chance hat, voreingenommen zu sein. Er ist ein sehr erfahrener Coach aus der NHL und hatte bis anhin noch nie etwas mit dem Schweizer Eishockey zu tun gehabt. Ich denke, dass dies ein sehr grosser Unterschied zu anderen Trainern ist. Somit kann bei uns jeder Spieler von null beginnen und niemand darf eine Extrawurst erwarten.
SPOX: NHL-Coaches haben den (etwas ungerechten) Ruf, nicht viel mit den Spielern zu kommunizieren. Wie nahem Sie Hartley bis jetzt in diesem Punkt wahr?
Geering: Bis jetzt trifft das bei ihm überhaupt nicht zu. Er ist sehr kommunikativ und sagt einem direkt ins Gesicht, was er denkt. Ich persönlich mag das, denn so geht man nie nach Hause und macht sich stundenlang Gedanken, was wohl der Coach von einem hält.
SPOX: Auf was wurde in den ersten Trainingseinheiten auf Eis der Fokus besonders gelegt?
Geering: Vor allem auf Überzahlsituationen wie zwei gegen eins oder drei gegen zwei, aber auch eins gegen eins. Zu dem kamen bereits einige taktische Anweisungen, zum Bespiel wie das neue Spielsystem gespielt wird und was jeder auf seiner Position zu tun hat.
SPOX: Hat der Coaching-Staff die Mannschaft bereits über die Ziele informiert?
Geering: Ja, das hat er. Für uns gibt es nach der verpatzten letzten Saison nur ein Ziel: Schweizer Meister 2012! Wir starten in die neue Saison um zu gewinnen!
SPOX: Wieso wird der ZSC dies nächste Saison schaffen?
Geering: Unsere Arbeitseinstellung hat sich geändert, wir werden in jedem Spiel wieder brüllende Löwen und nicht irgendwelche schüchterne Hauskatzen sein. Des Weiteren ist unser Kollektiv stärker geworden und jeder kämpft für jeden. Das sind sicher gute Voraussetzungen.
SPOX: Wie wurden die Neuzuzüge (Blindenbacher, Breitbach, Gobbi, Tambellini) in der Mannschaft aufgenommen und inwiefern werden sie das Team verstärken?
Geering: Alle vier konnten sich sehr gut integrieren. Der erfahrene Blindenbacher, der physisch starke Breitbach und der solide Gobbi werden unserer Verteidigung mehr Stabilität verleihen. Mit Tambellini ist ein eher junger Kanadier zu uns gestossen, welcher sicher von grossem Wert und hochmotiviert sein wird.
SPOX: Sie haben in Ihrer dritten vollen Saison in der NLA den Durchbruch endgültig geschafft. Was für Ziele haben Sie sich persönlich für die neue Saison gesetzt?
Geering: In der Offensive möchte ich gerne mehr Akzente setzen. In der Abwehr muss ich zudem noch härter und konsequenter spielen als zuvor.
SPOX: Die abschliessende Frage: welche Klubs sind aus Ihrer Sicht die grössten Favoriten auf den Gewinn des Meistertitels?
Geering: Ich bin der Meinung, dass jedes Team in der Schweiz das Potential hat, zu gewinnen. Es kommt nur darauf an, welches Team den Titel am meisten will!
SPOX:
Patrick Geering, besten Dank, für Ihre Stellungnahme.
Interview: Etienne Güngerich