Donnerstag, 22.09.2011
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Ilja Kaenzig: "Zweifle nicht am Potential unserer Stürmer"

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Interviews,Ilja Kaenzig: "Zweifle nicht am Potential unserer Stürmer"
Ilja Kaenzig

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Seit etwas mehr als einem Jahr amtiert Ilja Kaenzig als CEO des BSC YB. Im Interview mit SPOX verrät er die Veränderungen im Klub, beurteilt die Neuzugänge, erklärt, wieso man nicht mehr mit Publikumsliebling Emiliano Dudar plant und spricht über die Trainingsplatzproblematik in der Stadt Bern.

SPOX: Ilja Kaenzig, am 11. August 2010 wurden Sie als neuer CEO beim BSC YB vorgestellt. Was für ein Fazit ziehen Sie nach einem Jahr bei Ihrem neuen Arbeitgeber?

Kaenzig: Es gefällt mir sehr gut bei YB. Es ist ein Verein mit grossem Potential, bei dem man viel bewegen kann. Was das Sportliche betrifft, müssen wir uns sicherlich noch steigern. Das Jahr in Bern war für mich persönlich dicht, streng und hat viel Substanz gekostet. Es gab jeden Tag etwas Neues zu tun.

SPOX: Bei Ihrem Antritt kündigten Sie an, die Strukturen im Klub zu verändern. Was hat sich konkret geändert?

Kaenzig: Zum einen haben wir ein neues Organigramm erschaffen. Ich möchte, dass die einzelnen Bereiche mehr Eigenverantwortung tragen und einen eigenen Kurs fahren. Zuvor wurde eher nach Aufträgen gearbeitet. Es kann aber nicht sein, dass die einzelnen Bereiche eine Liste abarbeiten und selber gar nicht richtig wissen, was sie in gewissen Situationen zu tun haben. Unser Ziel ist es, alle Bereiche quasi „selbstständig“ zu machen – das ist uns bis jetzt nicht schlecht gelungen.

SPOX: Wie sieht Ihre Aufgabe im Klub genau aus?

Kaenzig: In den ersten Monaten habe ich mich vorwiegend auf das Sportliche konzentriert. Mit den Einstellungen von Hansruedi Hasler als Technischer Direktor, Thomas Gurtner als Leiter Betrieb und Events und Christian Gross als Trainer der 1. Mannschaft, habe ich jetzt mehr Zeit für Anderes. Strukturelle Sachen, Vermarktung und das Stade de Suisse natürlich.

SPOX: Vor der Saison wurde viel Geld in die Mannschaft investiert. Wie zufrieden sind Sie mit den Neuzugängen?

Kaenzig: Dusan Veskovac hat sich gut eingefügt und den Part als Abwehrchef gleich eingenommen. Bei den jungen Ojala und Lejcaks muss man noch abwarten, bevor man ein Urteil zieht. Nassim Ben Khalifa hat sein grosses Potential angedeutet, jedoch bis jetzt unglücklich gespielt. Auch Raphael Nuzzolo hatte keinen perfekten Start, bei ihm machte ich jedoch zuletzt steigende Formtendenz aus…

SPOX: Und Michael Silberbauer? Bis jetzt hat er vor allem nur im defensiven Bereich überzeugt. Kann er auch in der Offensive etwas bewegen?

Kaenzig: Silberbauer ist ein klassischer Abräumer vor der Abwehr. Er hat aus meiner Sicht teilweise sehr stark gespielt, viele und vor allem wichtige Zweikämpfe gewonnen und unzählige Löcher gestopft. Er ist nicht wegen Nichts dänischer Nationalspieler. Zudem hält er Alexander Farnerud enorm den Rücken frei, das darf man nicht unterschätzen. Aber dass er jetzt in jedem Spiel zwei Skorerpunkte erzielt, darf keiner von ihm erwarten.

SPOX: YB hat das Problem, dass zu viele Spieler noch unter Vertrag stehen, aber eigentlich gar nicht mehr gebraucht werden. Fand man inzwischen für einige Spieler Lösungen?

Kaenzig: Leider noch nicht für alle. Hassan Lingani stand kurz vor einem Transfer nach Zypern, als er sich leider erneut schwer verletzte und der Wechsel platzte. Ammar Jemal hat beim 1. FC Köln unterschrieben. Für Matar Coly konnten wir leider immer noch keinen Verein finden. Bei ihm steht allerdings sogar in Frage, ob er weiterhin Spitzensport betreiben kann. Und auch für Issam Mardassi haben wir immer noch keine Lösung gefunden…

SPOX: …er spielt seit letzter Saison nur noch in der 1. Liga bei der U21. Will er nicht wechseln?

Kaenzig: Offenbar nicht. Wir haben ihm angeboten den Vertrag aufzulösen und ich bin überzeugt, dass er dann einen Verein gefunden hätte. Aber er wollte das nicht, anscheinend gefällt es ihm in Bern zu gut.

SPOX: Zwei Saisons in der U21 spielen – damit ruiniert er doch seine Karriere?

Kaenzig: Das müssen Sie ihn fragen…

SPOX: Für Unmut bei den Fans sorgte auch die Absetzung des Abwehrchefs und Publikumlieblings Emiliano Dudar. Wieso muss er gehen, obwohl er die letzten zwei Jahre der unumstrittene Patron war?

Kaenzig: Für Dudar ist alles ein bisschen unglücklich gelaufen. Im Fussball gibt es halt manchmal die Situation, dass ein neuer andere Vorstellungen hat von benötigtem Spielermaterial hat. Dudar ist ein klasse Abwehrspieler aus der südamerikanischen Schule. Das heisst, er hat ein exzellentes Stellungspiel, spielt oft auf Position – fast wie ein Libero. Christian Gross ist aber ein Trainer, der andere Spielertypen in der Abwehr bevorzugt. Solche die vor dem Sechszehner sofort aggressiv attackieren.

SPOX: Es hat also nichts mit dem Unfall im vergangenen Jahres zu tun? Immer wieder hörte man, dass er nicht mehr der Alte sei und so weiter…

Kaenzig: …nein, es hat nichts mit dem Unfall zu tun. Jemand der Dudar heute spielen sehen würde und ihn vorher nicht gekannt hat, würde niemals auf die Idee kommen, dass mit ihm etwas nicht stimmt.

SPOX: Er hatte ein attraktives Angebot aus Deutschland vom ambitionierten Zweitligisten Eintracht Frankfurt. Wieso hat er es nicht angenommen?

Kaenzig: Wahrscheinlich möchte er noch etwas zuwarten und nicht gleich das erst beste Angebot annehmen, da es ihm und seiner Familie in Bern ausgezeichnet gefällt. Wir haben sehr gute Gespräche mit ihm geführt, ihm die Gründe erläutert und nach Lösungen gesucht. Ich muss sagen, er hat sehr professionell reagiert und viel Verständnis aufgebracht. Ich bin mir sicher, dass er bald einen Verein finden wird, bei dem es für ihn auch passt. In der Schweiz hat sich Emiliano einen ausgezeichneten Namen gemacht, von dem her könnte ich mir gut vorstellen, dass noch ein Angebot von einem ASL-Verein herein flattert.

SPOX: In den letzten Jahren konnten sich nur wenige YB-Junioren in der ersten Mannschaft durchsetzen. Wird sich das bald ändern?

Kaenzig: Die Jahrgänge 90/91 waren bei uns nicht gerade herausragend. Bei den Jahrgängen 93/94 bin ich jedoch positiver gestimmt. Es gibt dort einige Talente. Zudem haben wir diese Saison mit Alioski und Tosetti zwei hoffnungsvolle junge Spieler im Kader der ersten Mannschaft.

SPOX: Bei ihrem Antritt kündigten Sie an, auch im Scouting-Bereich Änderungen vorzunehmen. Bis jetzt kamen aber meistens nur Spieler aus Europa. Die grossen Namen eines Kalibers wie Alexander Farnerud blieben bis jetzt aus…

Kaenzig: …nicht ganz. Ich würde den Zuzug von Michael Silberbauer auch in diese Kategorie einordnen. Er spielte immerhin in der Eredivisie bei Utrecht, war dort Captain und hatte viele Angebote – unter anderem auch von Celtic Glasgow. Es stimmt, dass wir den Fokus vorerst auf Europa gelegt haben. Wir sind daran, das ganze Scouting auch für Süd- und Mittelamerika aufzubauen.

SPOX: Wie läuft ein internationaler Transfer ab?

Kaenzig: Der erste Schritt liegt beim Scouting-Team um Ingo Winter und Stephane Chapuisat. Falls es ein Spieler in die engere Auswahl schafft, wird die finanzielle Situation abgeklärt bevor der Fall zum Cheftrainer kommt. Wenn ein Transfer konkret wird und die Verhandlungen beginnen, bin ich an der Reihe.

SPOX: Worauf wird der Fokus beim Scouting gelegt?

Kaenzig: Unser Hauptziel ist vor allem, schneller als die Konkurrenz zu sein. Wir müssen unsere Kontakte so gut wie möglich ausspielen. Es gilt auch abzuwägen, ob der Spieler von seiner Herkunft in unsere Mannschaft passt. Zu viele Spieler aus derselben Kultur sind auch nicht gut. Mit unseren fünf Afrikanern (Mayuka, Bienvenu, Lingani, Doubai, Mveng) haben wir jetzt zum Beispiel genügend Spieler von diesem Kontinent. Wenn alles passt, müssen wir dem Spieler den Wechsel nach Bern mit den guten Strukturen des Vereins, der regelmässigen Teilnahme an internationalen Wettbewerben und vor allem der überragenden Lebensqualität in der Schweiz schmackhaft machen.

SPOX: Ein dauerhaftes Thema ist auch der Kunstrasen. Wann kommt er endlich weg?
Kaenzig: Das kann man noch nicht sagen. Aber wir arbeiten auf Hochtouren daran. Aber solange wir die Trainingsfeldproblematik nicht gelöst haben, können wir den Kunstrasen unmöglich rausnehmen.

SPOX: Gestaltet sich die Suche nach Trainingsplätzen tatsächlich so schwer?

Kaenzig: Es ist unglaublich, aber ja, es ist wirklich schwer. Ich hätte mir auch nie ausdenken können, wie schwer es hier in Bern tatsächlich ist. Im Prinzip bräuchten wir nur eine Fläche für ca. drei Fussballfelder. Dann könnten wir anfangen zu bauen und alle Probleme wären auf einen Schlag gelöst. Doch im Moment ist es unmöglich, irgendwo in der Nähe Land zu bekommen.

SPOX: Was ist mit der nebenanliegenden Allmend?

Kaenzig: Die wäre natürlich ideal, aber sie ist unantastbar. Ich finde das unglaublich, YB ist doch ein Repräsentant für die Stadt Bern! Ein Campus – wie ihn andere Klubs haben - ist für uns aus finanziellen Gründen nicht realisierbar. Trotz allem bin ich positiv gestimmt und hoffe, wir finden bald eine Lösung.

SPOX: Ilja Kaenzig, besten Dank für das interessante Interview.

Interview: Etienne Güngerich

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