Mittwoch, 26.10.2011
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Ritchie: "Raclette habe ich schon probiert"

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Interviews,Ritchie: "Raclette habe ich schon probiert"
Byron Ritchie
Center Byron Ritchie wechselte auf diese Saison von MoDo Hockey zum SC Bern. Im Interview mit SPOX erzählt der Kanadier wie er sich in die Mannschaft eingelebt hat, spricht über seinen ersten Kontakt zur Schweizer Küche und verrät seine Zukunftspläne.

SPOX: Byron Ritchie, Sie stiessen vor dieser Saison aus Schweden von MoDo zum SC Bern. Wieso entschieden Sie sich für die Hauptstädter?

Byron Ritchie: Nun, bereits Ende letzter Saison nahm der SCB zum ersten Mal Kontakt zu mir auf. Danach liessen sie nicht mehr ab und ich spürte, dass sie mich unbedingt holen wollten. Aus meiner Saison bei Genf hatte ich die Schweiz bestens in Erinnerung, wusste in etwa, was auf mich zukommen würde. Zudem ist der SC Bern ein Verein, bei dem man Meister werden kann. Deshalb brauchte ich nicht lange, um mich für ein Engagement hier in Bern zu entscheiden.

SPOX: Das erste Viertel der Saison ist schon fast durch. Wie sind Sie bis jetzt mit Ihren persönlichen Leistungen zufrieden?

Ritchie: (überlegt) Das Wichtigste ist sowieso, dass die Mannschaft gewinnt. Das ist uns bis jetzt ziemlich gut gelungen. Persönlich bin ich aber noch nicht dort, wo ich gerne sein möchte.

SPOX: Was wollen Sie verbessern?

Ritchie: (wie aus der Pistole geschossen) Alles! Wissen Sie, im Eishockey musst du dich immer in allen Bereichen verbessern wollen, sonst kommst du nie weiter. Ich habe zwar bereits ein paar Skorerpunkte erzielt, möchte aber auf dem Eis noch mehr Verantwortung übernehmen und härter arbeiten.

SPOX: Im Schweizer Eishockey wird oft darüber geredet, wie gross der Druck auf die Ausländer sei. Ist dem wirklich so?

Ritchie: Ich denke schon. Man spürt, dass von den Ausländern besonders viel erwartet wird. In Schweden oder Russland stehen dann eher die einheimischen Spieler im Fokus.

SPOX: Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team des SCB?

Ritchie: Neben den anderen Kanadiern (Roche, Kwiatkowski, Vigier, Anm.d.Red), Ivo Rüthemann und Martin Plüss ist es meine Aufgabe, das Team auf und neben dem Eis zu führen. Ich versuche in jedem Training punkto Arbeitseinstellung mit gutem Beispiel voranzugehen. Wir haben viele sehr talentierte junge Spieler, denen man ab und zu noch helfen muss. Und selbstverständlich muss ich am Ende auch Skorerpunkte produzieren.

SPOX: Wie Sie schon selber erwähnten, absolvierten Sie in der Saison 2007/2008 eine Saison für Servette-Genf. Unter Chris McSorley lief es Ihnen eigentlich sehr gut, in 45 Spielen erzielten Sie satte 60 Skorerpunkte (22 Tore, 38 Assists, Anm.d.Red). Wieso verliessen Sie die Genfer trotzdem?

Richtie: Die Saison in Genf war sportlich wirklich nicht so schlecht, dennoch suchte ich eine neue Herausforderung. Ich wollte noch andere Ligen in Europa kennen lernen. Das Angebot von Minsk war sehr lukrativ, also entschied ich mich für einen Wechsel nach Weissrussland. Leider lief es mir in der KHL allerdings nicht so gut - ich war die meiste Zeit verletzt und konnte nur zwölf Spiele absolvieren.

SPOX: Danach kam der Wechsel nach Schweden zu MoDo.

Ritchie: Genau, das war ein guter Entscheid. In Schweden zeigte meine Leistungskurve wieder nach oben und ich konnte dort viel Spielpraxis und Erfahrungen sammeln.

SPOX: Sie spielten in Ihrer Karriere in der AHL, NHL, KHL, Eliteserien und der NLA. Wenn Sie diese Ligen miteinander vergleichen, wie beurteilen Sie das Niveau in der Schweizer National League A?

Ritchie: Die NHL kann nichts toppen, das ist klar. Ich bin der Meinung, in Europa ist die KHL die beste Liga. Das Niveau ist sehr hoch, da die einheimischen Spieler gut ausgebildet sind und es viele Stars hat, die von der NHL zurückkehren. Danach kommen jedoch schon die schweizerische und die schwedische Liga. In Schweden ist vielleicht alles noch ein bisschen taktischer ausgerichtet, dafür ist in der Schweiz das Tempo höher. Man muss schlittschuhläuferisch wirklich stark sein, um hier mithalten zu können.

SPOX: Für die Carolina Hurricanes, die Florida Panthers, die Calgary Flames und die Vancouver Canucks absolvierten Sie insgesamt beachtliche 324 Spiele (25 Tore, 33 Assists, Anm.d.Red.) in der NHL. Dort waren Sie nicht wie hier als Skorer, sondern vielmehr als Raubein und „Goon“ bekannt. Es gibt unzählige Videos, in denen man Sie kämpfen sieht. In der NLA war dies jedoch noch nicht der Fall, wieso?

Ritchie: Ja das ist halt so, weil die Regeln hier ganz anders sind als in der NHL. Wenn du hier eine Keilerei hast, musst du gleich duschen gehen. Das passt mir nicht und für die Mannschaft kann dies manchmal auch schwerwiegende Folgen haben.

SPOX: Unvergessen ist die Aktion als Sie in Diensten der Canucks in einem Spiel gegen die Blackhawks nach nur drei Sekunden eine Schlägerei mit Adam Burish hatten. Werden einem in der NHL solche Sachen beauftragt?

Ritchie: Nicht grundsätzlich. Man weiss als Spieler welche Aufgaben man innerhalb des Teams hat. Schlägereien ergeben sich dann eher ‚spontan‘, wenn man das so sagen darf. Fights haben in der NHL eine ganz andere Bedeutung als in Europa.

SPOX: Also wird man demnächst Byron Ritchies Fäuste doch noch fliegen sehen?

Ritchie: (lacht) Eher nicht. Mein Sohn hat mich auch schon gefragt, wieso ich denn nie kämpfe…

SPOX: Und, wie war Ihre Antwort?

Ritchie: Ich sagte ihm, dass es hier halt nicht erlaubt sei. Er war dann ein bisschen enttäuscht, aber er wird es schon verstehen…

SPOX: Sie leben nun seit Ende Juli in Bern. Wie gefällt es Ihnen?

Ritchie: Ausgezeichnet. Seit ich hier bin, hatten wir durchgehend schönes Wetter, das ist phantastisch. Ich schätze die hohe Lebensqualität und die wunderschöne Landschaft der Schweiz enorm. Auch in unserem Wohnort Zollikofen gefällt es uns sehr gut.

SPOX: Was konnten Sie von der Stadt Bern bis jetzt sehen?

Ritchie: Ich schlenderte natürlich schon mehrere Male durch die schöne Altstadt - die hat wirklich Charme! Einmal machte ich mit der Familie auch einen Ausflug nach Thun. Da war ich ebenfalls total beeindruckt von der Sauberkeit, den Bergen und der Ruhe. Sonst habe ich von Bern selber leider noch nicht allzu viel gesehen. Allerdings ging ich auch schon in der Aare schwimmen.

SPOX: Und, war es Ihnen nicht zu kalt?

Ritchie: Ach was!

SPOX: Na gut, Sie sind ja schliesslich Kanadier, da sollten Sie sich an solche Temperaturen gewohnt sein…

Ritchie: …ganz genau. In meiner Heimat gibt es auch viele solche Flüsse. Die Aare ist aber schon etwas Spezielles, da Sie mitten durch die Stadt fliesst und trotzdem sehr sauber ist.

SPOX: Wie sieht es mit der Schweizer Küche aus? Haben Sie sich bereits mit Fondue, Raclette und Rösti vertraut gemacht?

Ritchie: Fondue mag ich nicht so sehr, Rösti habe ich noch nie probiert. Vergangene Woche wurden wir von den Gardners zu einem Raclette-Essen eingeladen. Ich war ein bisschen überrascht, wie gut es mir geschmeckt hat. (lacht)

SPOX: Zurück zum Eishockey: Sie sind nun 33 Jahre alt…

Ritchie: (unterbricht) 34! Aber ich nehme sonst auch 33…(lacht)

SPOX : Belassen wir es bei 33. So oder so können Sie etwa noch drei bis vier Jahre Profi-Hockey spielen. Haben Sie sich schon Gedanken über das Karrierenende hinaus gemacht?

Ritchie: Hockey ist mein Leben. Seit ich ein kleiner Junge bin, ist Hockey meine grosse Leidenschaft. Also ist für mich klar, dass ich dem Eishockey nach meiner Karriere als Spieler bestimmt erhalten bleiben werde. In welcher Funktion genau, weiss ich jedoch noch nicht. Ich arbeite sehr gerne mit Jungen zusammen, deshalb könnte ich mir eine Tätigkeit im Nachwuchsbereich gut vorstellen.

SPOX: Letzte Frage: Was für Ziele haben Sie sich bis zu Ihrem Karrierenende gesetzt?

Ritchie: Für mich gibt es nur ein Ziel: ich will in meiner Karriere unbedingt noch einen Titel bei den Profis holen!

SPOX: Alles klar. Byron Ritchie, wir danken Ihnen vielmals für dieses Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute für die Saison.


Interview: Etienne Güngerich
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