Mittwoch, 09.11.2011
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Thut: "Aufhören mit Mittelmass zufrieden zu geben"

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Interviews,Thut: "Aufhören mit Mittelmass zufrieden zu geben"
Sämi Thut hütet das Könizer-Tor
Wegen der Nationalmannschaftspause legte die Swiss Mobiliar League eine zweiwöchige Pause ein. Die SML-Mannschaft von Floorball Köniz kann mit der ersten Hälfte der Qualifikation mehr oder weniger zufrieden sein. Aus acht Spielen resultierten 18 Punkte. Torhüter Sämi Thut nimmt im Interview Stellung zur momentanen Situation im Team, erklärt, wieso er nicht mit einem Nati-Aufgebot gerechnet hat und verrät, wie der Konkurrenzkampf mit seinem neuen Backup-Goalie ist.

Frage: Sämi Thut, fast die Hälfte der Qualifikation ist schon wieder vorbei. Köniz liegt mit 18 Punkten aus acht Spielen auf Rang vier der Tabelle. Was für ein Fazit ziehst Du?
 
Samuel Thut: Die ersten Spiele haben gezeigt, dass wir  in dieser Saison in jedem Spiel ein unglaubliches Offensivspektakel bieten können. Obschon bisher etliche Stürmer nicht richtig in Form waren, haben wir pro Spiel fast 7 Tore erzielt. Das ist doch eine stattliche Anzahl und lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken. Defensiv müssen sich die Automatismen noch etwas einspielen, doch auch da liegen wir bis jetzt etwas über dem Schnitt vom letzten Jahr.
 
Diese Konstellation von Offensive und Defensive hat den Zuschauern bisher viel Spektakel geboten, uns allerdings nur 18 Punkten beschert, mit denen wir nur bedingt zufrieden sein dürfen. Wir müssen endlich aufhören uns mit Mittelmass zufrieden zu geben. Wir dürfen es einfach nicht mehr akzeptieren, wenn wir nur vorne mitspielen können, aber nie etwas Zählbares gewinnen. Unser Ziel muss sein, jedes Spiel zu gewinnen. Nur so schaut letztendlich etwas Zählbares raus, davon bin ich überzeugt. Das Team dazu haben wir ja unbestritten, jetzt liegt es an uns, endlich eine richtige Siegermentalität zu entwickeln.
 
Frage: Zuletzt schied man im Cup Auswärts gegen GC aus. Damit wurde ein erstes Ziel verpasst. Worauf führst Du es zurück, dass die Mannschaft im entscheidenden Moment nicht bereit war?
 
Thut: Wie das passieren konnte, ist mir ehrlich gesagt bis heute ein Rätsel. Ich habe die Gegentore schon mehrfach angeschaut, habe jedoch nach wie vor keine plausible Erklärung für dieses Resultat nach 40 Minuten.
 
GC hat unbestritten sehr stark begonnen und gleich im Startdrittel vier Tore erzielt. Dies wäre grundsätzlich noch nicht der Weltuntergang gewesen, hätten wir uns für diese Begegnung nicht derart viel vorgenommen. Doch so war dieses brutale Resultat für uns wie ein Schlag ins Gesicht, den wir nicht so schnell wegstecken konnten und erst 20 Minuten später – als das Spiel mit 7:0 schon vorentschieden war – zu einer Reaktion fähig waren.
 
Frage: In der Hardau-Arena musstest du in den ersten 30 Minuten gleich sieben Mal hinter dich greifen! Das muss für einen Goalie die reinste Hölle gewesen sein, oder?
 
Thut: Man muss da unterscheiden. Wenn es einem persönlich einigermassen läuft, dann ist es auszuhalten. Man kämpft weiter und hofft einfach, dass vorne mal einer reinfällt. Kassiert man jedoch in den ersten 30 Minuten sieben Tore und lässt jedes Schüsschen passieren, dann ist es besser wenn man genug selbstkritisch ist und dem Backup-Goalie Platz macht.
 
Frage: Eine der grössten Problematiken eines Torhüters ist der mentale Bereich. Wie hast du es geschafft, die sieben Gegentore wegzustecken und danach deinen Kasten bis kurz vor Schluss rein zu halten?
 
Thut: Gegen GC hatte ich zum Glück nicht das Gefühl völlig machtlos zu sein und war überzeugt, der Mannschaft weiterhin helfen zu können. Bei einem Stand von 0:7 darfst du einfach nicht zu viel nachdenken. Da musst du dich an etwas anderem als dem Spielstand oder der Aussicht zu Siegen festhalten. Es mag kurios klingen, aber als unser Coach die Anweisung gab; „alles oder nichts!“, freute ich mich darauf. Denn das bedeutete, dass es unzählige Überzahlsituationen (1 vs. 0, 2 vs. 1)geben wird, in denen ich mich auszeichnen konnte. Genau so kam es und ich fand dann vorübergehend sogar noch etwas Freude am Spiel. Am Ende blieb aber die reinste Enttäuschung über die Niederlage.
 
Frage: Seit dieser Saison hat Köniz mit Patrik Eder eine neue Nummer zwei. Du kennst ihn ja schon lange und hast mit ihm zeitweise bei den C-Junioren ein Goalie-Duo gebildet. Wie siehst Du den Konkurrenzkampf mit ihm?
 
Thut: Ich habe mich sehr gefreut, als feststand, dass Eder zu uns zurückkehren wird. Mit ihm zu arbeiten, hat schon immer sehr viel Spass gemacht. Während und nach den Trainings albern wir rum, wissen aber auch, wann es Zeit ist, hart und seriös zu arbeiten. In einem freundschaftlichen Umfeld ist es viel einfacher, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Ich bin nicht einer der ständig das Messer am Hals braucht, um seriös zu arbeiten. Ausserdem ist es nicht so, dass ich mir jetzt alles erlauben könnte und meinen Platz als Nummer 1 auf sicher habe. Denn aus meiner Sicht hat Eder viel mehr Talent als ich und ist auf dem besten Weg eines Tages ein starker SML-Torhüter zu werden

Frage: Zurzeit pausiert die Meisterschaft wegen der Nationalmannschaft. Warst du enttäuscht, dass Du trotz ansprechenden Leistungen kein Aufgebot erhalten hast?
 
Thut: Enttäuscht sicher nicht. Ich bin ja nicht dumm und kann meine und die Fähigkeiten der Konkurrenten gut einschätzen. So habe ich gewusst, dass es sowieso knapp mit einem Aufgebot werden dürfte. Zudem wusste ich ja auch nicht, wie die anderen Torhüter die letzten Wochen und Monate gespielt haben. Also hatte ich keinen Grund, fest davon auszugehen, dass ein Aufgebot vom Natitrainer ins Haus flattern wird. Gefreut hätte ich mich selbstverständlich schon, der Weltuntergang ist es aber auch nicht, da man halt nicht immer bekommt, was man gerne möchte. Das hat auch seinen Vorteil, so habe ich immer noch einen triftigen Grund mich täglich verbessern zu wollen.
 
Frage: Trotz dem bitteren Aus im Cup steht Köniz in der Meisterschaft nicht schlecht da. Was für besonders positive Schlüsse ziehst Du aus der ersten Saisonhälfte?
 
Thut: Wir können und müssen uns in fast allen Belangen noch gewaltig steigern, um unsere Ziele zu erreichen. Sehr positiv werte ich neben den eingangs erwähnten Punkten wie der Offensivabteilung, dass wir in der Meisterschaft als einzige Mannschaft nach 60 Minuten noch ungeschlagen sind! Das zeigt, dass wir – mit Ausnahme der Cuppartie gegen GC – stabil sind und bei einem Rückstand nicht auseinanderfallen.
 
Frage: Bei allen positiven Punkten gibt es immer auch negatives. Was muss im Team unbedingt noch verbessert werden?
 
Thut: Ich glaube, das Wichtigste ist, eine richtige Siegermentalität zu entwickeln. Wir müssen in jedes Spiel steigen, um es zu gewinnen – egal wie der Gegner heisst. Fast jeder von uns weiss noch aus früheren Junioren-Zeiten, wie dieses Gefühl des Unbesiegbarseins einen beflügeln kann. Jetzt ist allerhöchste Zeit, dass jeder Spieler diese Mentalität verinnerlicht. Doch wir sind auf einem guten Weg, die richtigen Coaches dazu haben wir ja.
 
Frage: Wie betrachtest du den Teamgeist innerhalb der Mannschaft?
 
Thut: So weit ich mich erinnern kann, hatten wir noch nie ein derart breites Kader wie in dieser Saison. Da jeder um seine Einsatzminuten kämpfen muss, führt dies natürlich zuweilen zu Spannungen und zu einem härteren Konkurrenzkampf. Diesen empfinde ich allerdings als absolut gesund und fördernd. Der Teamgeist war bei uns noch selten ein Problem. Ich sehe ihn eher als eine unserer grössten Stärke! Wir kennen uns alle (inkl. Coachingstaff) schon seit Jahren und haben zusammen schon etliche Jahre in den Juniorenstufen zusammengearbeitet. In dieser Zeit haben sich richtige Freundschaften entwickelt.

SPOX: Sämi Thut, besten Dank für deine Stellungnahme


Interviewaufzeichnung: Etienne Güngerich

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