Stefanie Voegele gilt nach dem Rücktritt von Patty Schnyder als die beste Tennisspielerin der Schweiz. Nach zuletzt durch Verletzungen erlittenen Rückschlägen, befindet sich die 21-jährige auf dem Weg zurück in die Top-100 der WTA-Tour. Im Interview mit SPOX spricht Voegele über die schwierige letzte Saison, ihre bisherige Entwicklung und verrät, wieso es schwierig ist, mit ihr befreundet zu sein.
SPOX: Stefanie Voegele, die
WTA-Saison ging vor ein paar Wochen zu Ende. Konnten Sie ein paar Tage Ferien geniessen?
Stefanie Voegele: Bis zum 5. November habe ich noch ITF-Turniere gespielt. Danach hatte ich eine Woche Ferien, die verbrachte ich zu Hause mit viel Schlafen, Essen und anderen Dingen. Seit letzter Woche bin ich wieder in Biel und habe mein Aufbautraining für die neue Saison begonnen.
SPOX: Was für ein Fazit ziehen Sie von der abgelaufenen Saison?
Voegele: Das erste halbe Jahr verlief nicht wunschgemäss. Im Januar hatte ich eine Viruserkrankung - dadurch musste ich eine Turnierpause von zwei Monaten einlegen. Meine mentale Verfassung war geprägt vom Jahr 2010, wo ich viele Verletzungen und Krankheiten erlitt. Deswegen waren die Turniere bis Juni durchmischt. Mal konnte ich aufdrehen, ein anderes Mal war ich wieder zu negativ im Kopf. Aber ab Juni habe ich mich gesteigert und fühlte mich bereit, wieder voll anzugreifen.
SPOX: Mit Ihren 21 Jahren sind Sie noch jung und haben die beste Zeit Ihrer Karriere noch vor sich. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer bisherigen Entwicklung?
Voegele: Eigentlich sehr. Ich meine, ich nahm zwischen dem 17. und 20. Lebensjahr einen ziemlichen Sprung. Mit 19 Jahren stand ich bereits das erste Mal in den Top 100 der
WTA-Weltrangliste. Danach kam durch die Verletzungen plötzlich ein Rückschlag. Das machte es für mich im letzten Jahr nicht immer einfach. Ich brauchte eine gewisse Zeit, um die schwierige Situation zu akzeptieren. Doch das brachte auch viele Erfahrungen mit sich, die neu für mich waren und aus denen ich lernen konnte. Ich denke, die Zeiten in denen es nicht so läuft, gehören genauso dazu wie die guten Zeiten. Die schlechteren Phasen machen mich mental stärker und zeigen mir auf, wo ich mich verbessern muss.
SPOX: Was war denn ihr bisheriges Highlight in Ihrer noch jungen Karriere?
Voegele: Für mich sind die Grand-Slam Turniere die Highlights meiner Tenniskarriere. Dementsprechend hoffe ich, dass noch weitere Highlights folgen werden. (schmunzelt)
SPOX: Das hoffen wir auch. Als Tennisspielerin sind Sie viel unterwegs. Wer begleitet Sie jeweils auf den langen Reisen?
Voegele: Ich trainiere etwa 25 Wochen im Jahr mit Ivo Werner, den Rest bei Swiss Tennis in Biel. Meistens werde ich auf Reisen von einem Trainer betreut, es kommt aber auch vor, dass ich alleine reise oder mich jemand von meiner Familie begleitet.
SPOX: Bleibt als Tennisprofi überhaupt noch Zeit, um sich ab und zu mit Freunden zu treffen?
Voegele: Ja, wenn ich ein paar Tage zu Hause bin, bleibt schon ein bisschen Zeit. Allerdings ist es natürlich schon schwierig mit mir befreundet zu sein, da ich nie genau weiss wann ich da und wann wieder weg bin. (lacht)
SPOX: Wie sieht Ihr Programm bis zum Saisonstart aus? Auf welche Turniere werden Sie sich im nächsten Jahr fokussieren?
Voegele: Ich werde bis Ende Dezember in Biel sein und mein Aufbautraining absolvieren. Dazu gehört viel spielspezifisches-, aber auch viel Konditionstraining, damit ich in diesem Bereich stärker werde.
SPOX: Auf welche Turniere werden Sie sich im nächsten Kalenderjahr fokussieren?
Voegele: Ende Dezember geht es nach Australien, wo ich drei Turniere spielen und wenn ich mich qualifizieren kann, die Australien Open bestreiten werde. Danach steht der Fed Cup an. Wie es später genau weiter geht, habe ich jedoch noch nicht geplant.
SPOX: Letzte Frage: Sportler denken meistens sehr kurzfristig. Deshalb macht es keinen Sinn, Sie nach Ihren Visionen oder Träumen zu fragen. Was für ein kurzfristiges Ziel haben Sie sich jedoch für die nächste Saison gesetzt?
Voegele: Dass ich den Sprung ins Hauptfeld der Grand-Slam Turniere wieder realisiere, mich weiterhin Tag für Tag verbessere und vor allem gesund bleibe – das ist das Wichtigste!
Interviewaufzeichnung: Etienne Güngerich