Giulia Steingruber wurde am Sonntag an den Sports Awards als Newcomerin des Jahres ausgezeichnet. Im Interview mit SPOX spricht die 17-jährige über ihre letzten Erfolge, dem dichtgedrängten Trainingspensum und ihren langfristigen Zielen.
SPOX: Giulia Steingruber, Gratulation zur Auszeichnung der Newcomerin des Jahres. Wie sieht ihr Plan bis zum Saisonende aus?
Giulia Steingruber: Im Fokus stehen für mich die Pre-Olympics - der zweite Qualifikationswettkampf für die Olympischen Spiele in London - die am 11. Januar noch bevor stehen. Es ist sehr wichtig, dass ich für diesen Wettkampf top vorbereitet bin, da ich mich natürlich unbedingt für die Olympischen Spiele 2012 qualifizieren möchte.
SPOX: Und wie sieht Ihr Fazit für die bisherige Saison aus?
Steingruber: Da sage ich nur: Wow! Ich meine, ich turnte erstmals mitten in der Weltelite und absolvierte eine erfolgreiche EM in Berlin im April eine super WM in Tokyo. Aber dennoch heisst es dran bleiben, trainieren und Fortschritte erzielen, damit man in Zukunft mit der Spitze mithalten kann.
SPOX: Alle sprechen nach dem Rücktritt von Ariella Kaeslin nur noch davon, dass Sie jetzt Ihre Nachfolgerin sind und nun genauso turnen bzw erfolgreich sein sollen wie sie. Nervt Sie diese Aussage langsam oder sehen Sie einfach darüber hinweg?
Steingruber: Nein, solche Aussagen nerven mich nicht. Nur hinkt der Vergleich zwischen Ariella und mir, denn ich bin noch längst nicht so erfolgreich wie sie es war. Mir fehlen schlicht noch die Medaillen an Grossanlässen (schmunzelt).
SPOX: Hat sich denn für Sie seit dem Rücktritt Ariella Kaeslins etwas konkretes verändert, ausser dass Sie eine gute Trainingspartnerin verloren haben?
Steingruber: Ja, sehr viel sogar! Mein Bekanntheitsgrad ist seit ihrem Rücktritt markant gestiegen und damit auch die Medientermine, die ich wahrnehmen muss. Aber darf nicht vergessen: im Frauenkunstturnen gab und gibt es nicht nur Ariella und mich. Wir sind ein super Team von hervorragenden Turnerinnen, die zusammen einiges erreichen möchten.
SPOX: Lassen wir nun das Thema Kaeslin. Sie sind erst 17 Jahre alt, machen jedoch bereits einen sehr reifen und ruhigen Eindruck. Von wo haben Sie diese Gelassenheit?
Steingruber: Es ist natürlich immer eine gewisse Nervosität vorhanden, auch wenn das gegen aussen vielleicht nicht immer den Eindruck macht. Hinzu kommt, dass jetzt auch ein gewisser sportlicher Druck da ist. Ich versuche stets, dass dieser Druck nicht Überhand nimmt. Meine Eltern sind mir dabei eine grosse Stütze. Sie möchten, dass ich die Wettkämpfe geniesse, die Atmosphäre in der Halle spüre und wenn immer möglich meine bestmögliche Leistungen abrufe.
SPOX: Anfang November gewannen Sie zusammen mit Claudio Capelli den Swiss-Cup. Wie hoch ist dieser Sieg für Sie einzustufen?
Steingruber: Dies war ein wunderschönes Erlebnis. Vor dem Heimpublikum den ersten Schweizer Sieg am Swiss Cup feiern zu dürfen war einfach „mega“.
SPOX: Im Sommer 2012 steht natürlich der Höhepunkt der Saison an: die Olympischen Spiele in London. Was für Zwischenziele haben Sie sich bis dorthin gesetzt?
Steingruber: Wie bereits angedeutet, bin ich noch nicht definitiv für die Olympiade qualifiziert! Deshalb ist mein erstes Ziel die Preolympics in London im Januar, wo ich mich qualifizieren will. Danach kommt im Mai die Mannschafts-EM in Brüssel. Dazwischen werde ich noch Weltcup-Turniere turnen und hoffentlich erfolgreich sein (schmunzelt).
SPOX: Als Kunstturnerin müssen Sie enorm viel trainieren und wohl die eine oder andere Einheit mehr absolvieren als beispielsweise im Teamsport. Wie oft trainieren Sie in einer normalen Woche?
Steingruber: Wir trainieren immer in zwei Phasen. Die erste Einheit findet am Morgen statt, die zweite folgt am Nachmittag. Dazwischen drücke ich jeweils die Schulbank. Das ergibt dann ein Trainingspensum zwischen 25-30 Stunden pro Woche.
SPOX: Wenn Sie bei so vielen Trainings verständlicherweise mal einen schlechten Tag mit Motivationsprobleme haben, was machen Sie, damit Sie die nötige Motivation, um im Training das Maximum herauszuholen, wieder finden?
Steingruber: Sobald ich die Halle betrete, sind allfällige Motivationsprobleme wie weggeblasen. Falls dem nicht so wäre, haben wir ein super Trainerteam, das mich wieder motivieren kann.
SPOX: Für Freizeit bleibt als Kunstturnerin wohl nicht gerade viel Zeit? Wenn Sie doch mal eine freie Stunde finden, bei was trifft man Giulia Steingruber dann an?
Steingruber: Meine Hobbys beschränken sich auf shoppen, Kaffee trinken oder „chillen“. Doch im Moment reicht die Zeit für nichts ausser für Schule und Training…….
SPOX: Aber ein paar Tage Ferien könne auch Sie nach der Saison ein bisschen geniessen, oder?
Steingruber: Wenn die Saison zu Ende ist, gibt’s schon ein paar Tage frei. Über die Weihnachtstage müssen drei freie Tage aber reichen.
SPOX: Was für langfristige Ziele haben Sie sich für Ihre Karriere gesteckt?
Steingruber: Wenn ich gesund bleibe und den Spass am
Turnen nicht verliere, wäre für mich ein Ziel, 2016 an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilzunehmen.
SPOX: Giulia Steingruber, ich danke Ihnen vielmals für Ihre Stellungnahme und wünsche Ihnen eine erfolgreiche und vor allem verletzungsfreie Saison!