Seit fünf Jahren trägt der gebürtige Langnauer Michael Liniger das Dress der Kloten Flyers und erlebt momentan die wohl beste Zeit seiner Karriere. Im Interview mit SPOX verrät der 32-jährige Center, wieso es mit dem Toreschiessen erst jetzt so richtig klappt, warum Felix Hollenstein und Andres Eldebrink das perfekte Trainerduo bilden und wieso ihn Gates Orlando tiefst beeindruckt hat.
SPOX:
Michael Liniger, die
Kloten Flyers weisen nach 34 Spielen 63 Punkte auf und rangieren auf dem vierten Platz. Wie zufrieden stellt Sie der bisherige Verlauf der Saison?
Michael Liniger: Wenn ich die ganze Situation mit unseren Verletzten betrachte, dann bin ich eigentlich zufrieden. Wir mischen immer noch in der Spitzengruppe, die nur durch wenige Punkte getrennt ist, mit.
SPOX: Seit ein paar Jahren sind die Flyers in der Tabelle stets auf den vordersten Plätzen zu finden. Was ist für Sie der Hauptgrund, dass dies fast jede Saison gelingt?
Liniger: Neben den Trainern und dem Staff war es in Kloten auch immer möglich, den Kern der Mannschaft zusammen zu halten. So konnten sich neue Spieler schnell integrieren und die „Richtung“ der Mannschaft wurde von Saison zu Saison beibehalten. Clevere Transfers haben die Mannschaft zusätzlich stark gemacht.
SPOX: Zuletzt plagte die Mannschaft grosse Verletzungssorgen, unzählige wichtige Stammspieler fielen aus. Bei Kloten ist dies jedoch kein Problem, denn man besitzt ja über eine unglaublich starke und breite Nachwuchsabteilung. Verletzte werden kurzerhand durch eigene Junioren ersetzt. Wie schätzen Sie die Fähigkeiten der Jungen ein?
Liniger: Ich glaube, über kurze Zeit können wir einige Absenzen verkraften. Unsere jungen Spieler sind alle in guter körperlicher Verfassung und bringen viel Schnelligkeit und Energie in unser Spiel. Marti und Walser zum Beispiel haben sich auch dank mehr Eiszeit sehr positiv entwickelt. Trotzdem brauchen wir natürlich unsere verletzten Spieler zurück, wenn wir ganz vorne mitspielen wollen.
SPOX: Bei jungen Spielern ist oft wichtig, dass sie von den routinierteren Akteuren sofort unterstützt werden. Wie gehen Sie als Leader da konkret vor?
Liniger: Das Wichtigste ist, dass man im Training und mit seinem Handeln allgemein ein Vorbild ist. Wenn mir bei einem Spieler etwas auffällt, sei es positiv oder negativ, dann mache ich ihn darauf aufmerksam. Die Jungen wissen auch, dass sie jederzeit bei einem unserer erfahrenen Spieler etwas fragen können.
SPOX:
Felix Hollenstein und Anders Eldebrink bilden ein äusserst akribisches und kompetentes Trainerduo, dass sich in einer Zeit, in der die Trainer schneller gewechselt werden, als die eigene Unterwäsche, über Jahre hinweg diskussionslos halten konnte. Was genau macht die beiden so stark?
Liniger: Sie ergänzen sich sehr gut und vertrauen sich blind. Zudem haben sie schon als Spieler und jetzt auch als Trainer sehr viel im Eishockey erlebt. All diese Erfahrungen und ihre tägliche Begeisterung am Hockey vermitteln sie unserer Mannschaft. Die Trainer lassen uns Spieler auch immer Ideen einbringen und mitdenken, dadurch wird es nie eintönig oder langweilig.
SPOX: Sie persönlich spielen nun schon ihre fünfte Saison für die
Kloten Flyers. Kürzlich haben Sie ihren Vertrag um drei Jahre verlängert. Kam das Verlangen der Vertragsdauer eher von Ihnen oder von Seiten der Klubverantwortlichen?
Liniger: Ich fühle mich als Spieler hier sehr wohl und auch meiner Familie gefällt es rund um Kloten sehr gut. Daher war mir klar, dass ich einen längerfristigen Vertrag unterschreiben möchte. Auch die Verantwortlichen des Klubs haben bei den Verhandlungen sofort signalisiert, dass sie an einer längeren Zusammenarbeit interessiert sind. So waren wir uns schnell einig.
SPOX: Der Schweizer Meistertitel blieb Ihnen bisher (noch) verwehrt. Als einziger noch in der NLA-Aktiver (Tinu Gerber in Schweden, Wes Snell Sierre NLB, Anm.d.Red.) gehören Sie – was viele gar nicht wissen – zu den Aufstiegshelden des SC Langnau von 1998. Was blieb Ihnen von diesem Erfolg noch in Erinnerung?
Liniger: Das stimmt, ich war damals im Kader der 1. Mannschaft vom SCL. Auch wenn ich dazumal noch nicht sehr viel Eiszeit hatte, war dieses Erlebnis einfach einmalig! Die Stimmung in der Ilfishalle war unbeschreiblich. Ich habe den entscheidenden Spielzug immer noch im Kopf, als wäre es gestern gewesen. Beutler auf Orlando, der zu Marc Bühlmann, der uns mit seinem Treffer in die NLA beförderte. Die Ilfishalle stürzte nach dem entscheidenden Tor beinahe zusammen, so laut war es.
SPOX: Wie war es damals für Sie als junger Spieler in der Mannschaft?
Liniger: Damals habe ich noch gar nicht richtig realisiert, was wir als Team erreicht hatten. Schliesslich stieg der Verein nach rund 20-jähriger Abstinenz wieder in die höchste Spielklasse auf und konnte sich bis heute dort oben halten. Mich haben damals auch die Einstellung und der Einsatz einiger Schlüsselspieler, wie zum Beispiel Gates Orlando oder Walter Gerber, extrem beeindruckt! Gates war ein enorm kompletter Spieler und ein absoluter Leader und „Wales“ Leidenschaft und Kampfgeist war schon fast einzigartig.
SPOX: Früher galten Sie eher als solider Zweiweg-Center mit guten Defensiv- und Leaderqualitäten. Bemerkenswert ist, dass Sie eigentlich erst nach dem Wechsel zu Kloten richtig aufblühten und auch punktemässig ihr bestes Hockey zeigen. Haben Sie eine Erklärung wieso Ihr Karrierehöhepunkt erst mit dem Alter kam?
Liniger: Ich würde mich auch heute noch als soliden Zweiweg-Center beschreiben. Durch meine Erfahrungen in Langnau, Biel oder Ambri konnte ich mich Schritt für Schritt weiterentwickeln. In Kloten spiele ich nun zum ersten Mal in einer wirklichen Spitzenmannschaft der NLA und das Spiel in Kloten ist generell sicher offensiver ausgerichtet als in meinen früheren Klubs. Wir verfügen in allen vier Blocks über sehr talentierte und torgefährliche Spieler. Das alles zusammen wirkt sich dann auch auf meine Punkte aus.
SPOX: Im November wurden Sie auch wieder für die Nationalmannschaft aufgeboten. Für die Dezember-Spiele flatterte kein Aufgebot in ihr Haus. Rechnen Sie sich Chancen aus, den Sprung in ein WM-Kader doch noch einmal zu schaffen?
Liniger: Über die Nationalmannschaft mache ich mir ehrlich gesagt nicht viele Gedanken. Sollte ich noch einmal eine Chance erhalten, würde ich mich sicher sehr freuen und alles geben. Aber damit es überhaupt soweit kommt, muss ich gute Leistungen in Kloten zeigen und das ist momentan das Einzige was für mich zählt!
SPOX:
Michael Liniger, besten Dank.