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Freitag, 23 Juli 2010
"Der Videobeweis ist für mich nicht realisierbar"
"Der Videobeweis ist für mich nicht realisierbar"
Von 2007 bis 2010 war der 59-Jährige Trainer beim FC Zürich und gewann 2009 den Meistertitel. Diesen möchte er nun auch mit dem FC Sion holen.
Bernard Challandes, wie sicher sind Sie, dass die Spieler, mit denen Sie jetzt arbeiten, zum Saisonstart auch auflaufen können?
Das weiss ich im Moment noch nicht. So wie es derzeit aussieht, sollte es möglich sein, aber wenn ich auf der anderen Seite sehe, dass mehrfach schon Urteile umgesetzt werden, noch ehe sie rechtskräftig sind, stehe ich als Trainer sowieso aussen vor. Ich muss nicht alles verstehen, das ist nicht mein Job. Ich bin Trainer und arbeite mit jenen Spielern, die mir jeweils zur Verfügung stehen.
Was wollen Sie denn ändern, damit der FC Sion so erfolgreich ist, dass der Präsident und die Fans zufrieden sind?
Ändern? Also ich möchte mir nicht anmassen, die Arbeit meines Vorgängers negativ zu bewerten. Didier Tholot hat sicherlich sehr gute Arbeit geleistet. Es gab viele gute Spiele in der abgelaufenen Saison und auch einige weniger Gute, aber ich möchte mich jetzt auf keinen
Fall hier hinstellen und sagen, dass dies oder jenes schlecht war oder was Challandes
jetzt besser machen will. Fakt ist: Ich werde mich einbringen mit meiner Vorstellung von Fussball und meinen mir eigenen Werten. Diese versuche ich dann auf die Mannschaft
zu übertragen.
Und wie ist denn Ihre Idee vom Fussball?
Das ist vor allem ein offensiver Fussball, mit einigen Freiheiten für die Spieler im zentralen Mittelfeld. Das sind ausserdem zwei Flügelspieler mit der Möglichkeit, ins Zentrum zu ziehen
und Räume für den Aussenverteidiger aufzumachen. Und letztendlich wollen wir den Ball immer in den Strafraum bringen. Dafür bin ich gerne bereit, auch einige Risiken einzugehen. Andererseits muss man wissen, dass so sofort Tore fallen können, wenn man nicht sauber und konzentriert verteidigt. Ich bin aber überzeugt, dass mit individueller Klasse und einer guten Arbeit im Kollektiv man viel erzwingen kann.
Also spielen Sie mit nur einer Nummer «Sechs» und einem Spielmacher?
Nein, nein, so statisch darf man das nicht sehen.Wir müssen flexibel und verantwortungsbewusst zugleich sein. Ob das nun eine «Sechs» und eine «Zehn» sind oder zwei «Sechser», spielt dabei für mich gar keine so grosse Rolle. Und letztendlich muss ich mich auch immer nach den Spielern richten, die ich zur Verfügung habe.
Und wie ist dann Ihre Zielsetzung?Bei Ihre r Präsentation sprachen Sie davon, dass man beim FC Sion Titel holen kann?
Das ist zwar richtig, aber Sie dürfen jetzt nicht schreiben, dass wir den Titel holen wollen.Wie schon beim FC Zürich gibt es bei mir keine klare Zielformulierung. Einige reden zwar vom Titel
– und natürlich redet das ganze Wallis immer vom Cup, aber solche Ziele interessieren
mich nicht. Das sind immer nur Ziele des Vereins. Mein Ziel ist es, die Mannschaft und ihren Fussball zu entwickeln und Lösungen zu finden, die uns voranbringen.
Wie zufrieden sind Sie mit der Vorbereitung?
Wir haben im ersten Monat wirklich sehr, sehr, sehr viel gearbeitet und erst in den letzten Tagen ein wenig darauf geachtet, dass wir unsere Automatismen finden. Dank der Weltmeisterschaft hatten wir genügend Zeit, etwas Solides aufzubauen – und nicht wie sonst im Sommer nur drei, maximal vier Wochen lang mit wenig ausgeruhten Spielern zu arbeiten. In der Schweiz ist dies tatsächlich der einzige Moment, den man hat, um eine Mannschaft
wirklich solide aufzubauen.

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